Karpaltunnelsyndrom

Ein häufiges Schmerzsyndrom an der Hand, das den Betroffenen schlaflose Nächte durch Schmerzen und Taubheitsgefühle an den Fingern bereitet und langfristig zu einem Verlust von Handfunktionen führt. Aber rechtzeitig operiert, lässt sich die Erkrankung gut behandeln…

Was ist ein Karpaltunnelsyndrom?

Das Karpaltunnelsyndrom ist eine Einengung des Mittelarmnervs im Bereich der Handwurzel. An dieser Stelle verläuft der Mittelarmnerv zusammen mit 9 Sehnen durch einen Kanal (Karpalkanal, Karpaltunnel). Das Dach dieses Kanals wird von einem derben Bindegewebsband gebildet, der Boden des Kanals und die seitlichen Begrenzungen hingegen von Knochen der Handwurzel. Eine Reihe von Ursachen können bewirken, dass der Nerv innerhalb dieses Kanals eingeengt wird, so dass typische Beschwerden entstehen.

Welche Beschwerden entstehen durch ein Karpaltunnelsyndrom?

Ein Karpaltunnelsyndrom bewirkt typischerweise Missempfindungen, Schwellungsgefühl und Schmerzen, insbesondere im Bereich von Daumen, Zeige-, Mittel- und der Hälfte des Ringfingers, die den Patienten häufig nachts aufwachen lassen. Sie bessern sich durch Massieren und Schütteln der Hände, unterbrechen aber oft nach kurzer Zeit erneut den Schlaf. Dazu kommen Taubheit („Einschlafen“) und Kraftmangel der Hand sowie der Verlust der feinen Geschicklichkeit der Finger, welcher sich zum Beispiel beim Zuknöpfen eines Hemdknopfes ober beim Nähen bemerkbar macht. Später werden die Fingerbewegungen mühsam, da im Karpalkanal nicht nur der Nerv, sondern auch die Beugesehnen eingeengt und behindert werden und zusätzlich kann es zu einem Schwund (Atrophie) der Daumenballenmuskulatur kommen, welche zu einer Bewegungseinschränkung des Daumens führt.

Welche Ursachen gibt es für ein Karpaltunnelsyndrom?

Die Ursache für das Karpaltunnelsyndrom ist selten eindeutig zu erkennen. Mögliche Ursachen können folgende sein:

  1. ein chronischer Reizzustand mit Verdickungen der Sehnenscheiden oder des Sehnengleitgewebes,
  2. rheumatische Erkrankungen,
  3. Stoffwechselerkrankungen (Zuckerkrankheit, Nierenerkrankungen) oder hormonelle Erkrankungen,
  4. Verletzungen im Bereich der Karpalkanals
  5. eine Geschwulst innerhalb des Karpalkanals
  6. eine Schwellneigung des Gewebes im Rahmen einer Schwangerschaft.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Die Diagnose wird anhand der geschilderten Symptome und durch die klinische Untersuchung in der Ordination gestellt. Untermauert wird die Diagnose durch eine sog. elektroneurographische Untersuchung, die die Zeit für die Signalübertragung vom Mittelarmnerv vor dem Karpaltunnel in die Muskulatur des Daumens misst. Eine Verlängerung dieses Zeitintervalls über dem Normwert ist ein aussagekräftiger Hinweis auf ein Karpaltunnelsyndrom. Diese Untersuchung wird in der Regel durch einen Facharzt für Neurologie oder für Physikalische Medizin angeboten. Bei einem Besuch in meiner Ordination empfehle ich, einen solchen elektrophysiologischen Befund bereits mitzubringen. Eine Röntgenuntersuchung der Hand ist bei vorangegangenen Verletzungen an der Handwurzel zu empfehlen.

Wie kann ein Karpaltunnelsyndrom behandelt werden?

In Abhängigkeit vom Beschwerdebild und der Dauer des Karpaltunnelsyndroms kann entweder ein operatives oder ein nicht-operatives (konservatives) Verfahren gewählt werden. Bei noch kurzer Beschwerdezeit kann ein Behandlungsversuch mit einer Nachtlagerungsschiene erfolgen. Dadurch wird in der Nacht eine Beugung im Handgelenk und somit eine Druckerhöhung im Karpaltunnel verhindert und nächtliche Schmerzattacken sowie Missempfindungen lassen im Idealfall nach.

Bei schweren oder lang andauernden Beschwerden ist die operative Therapie zu empfehlen. In diesen Fällen sollte nicht zu lange mit der Operation gewartet werden, denn Nerven reagieren auf lang bestehende Druckeinwirkung sensibel und entwickeln Funktionsstörungen, die mitunter nicht rückgängig sind. Dazu gehören im Falle des Mittelarmnervs Gefühlsstörungen an den Fingern und ein Schwund (Atrophie) der Muskulatur des Daumens.

Wie erfolgt die Operation?

Die Operation erfolgt schonend und schmerzfrei in örtlicher Betäubung. Auf die sogenannte Blutleere, also das schmerzhafte Aufpumpen einer Manschette am Oberarm kann durch ein spezielles Verfahren der örtlichen Betäubung inzwischen verzichtet werden. Über einen Schnitt in der Hohlhand wird das derbe Dach des Karpalkanals über dem Mittelarmnerv vollständig durchtrennt und der Nerv somit aus seiner Einengung befreit. Die Wunde wird mit Nähten verschlossen, die nach 14 Tagen entfernt werden können. Bis dahin ist ein leichter Schutzverband zu tragen, der jedoch die Beweglichkeit der Finger nicht einschränkt.

Wie sieht die Zeit nach der Operation aus? Auf was muss geachtet werden?

Am Tag der Operation und nachdem die Wirkung der örtlichen Betäubung nachgelassen hat, ist ein leichter Wundschmerz vollkommen normal und lässt sich leicht mit einem üblichen Schmerzmittel dämpfen. In den folgenden Tagen sollte auf belastende Tätigkeiten der Hand verzichtet werden und die operierte Hand tagsüber hochgehalten und nachts auf einem Kissen hochgelagert werden. Die Finger können und sollen jedoch bereits in den ersten Tagen nach der Operation bewegt werden. Der Verband sollte sauber und trocken gehalten werden und wird erstmals 7 Tage nach der Operation gewechselt. Nach weiteren 7 Tagen erfolgt die Nahtentfernung und ab diesem Zeitpunkt ist ein schützender Verband nicht mehr notwendig.

Wie sind die Erfolgsaussichten nach der Operation?

Die Operation des Karpaltunnelsyndroms ist eine der häufigsten handchirurgischen Operationen und genießt eine hohe Erfolgsrate. In der Regel kommt es durch die Operation zu einem unmittelbaren und dauerhaften Verschwinden der nächtlichen Schmerzattacken. Das Taubheitsgefühl an den Fingern kann hingegen einige Wochen brauchen, bis es sich bessert. Komplikationen im Rahmen der Operation sind in geübten Händen äußerst selten.

Fakten auf einem Blick!

  • Operationsdauer: 30 Minuten

  •  Betäubung: örtliche Betäubung

  •  Sichtbarkeit des Ergebnisses: unmittelbar postoperativ Verschwinden der Schmerzsymptomatik (eventuell leichter Wundschmerz vorübergehend in den ersten Tagen), das Taubheitsgefühl kann einige Wochen brauchen, bis es sich bessert.

  •  Nachbehandlung: Schutzverband für insgesamt 2 Wochen, erster Verbandswechsel nach 7 Tagen, Nahtentfernung nach 14 Tagen, die operierte Hand sollte tagsüber hochgehalten und nachts hochgelagert werden, die Finger können bewegt werden.

  • Krankenstand: je nach Beruf 2-6 Wochen (das Tragen von schweren Lasten ist für insgesamt 6 Wochen nicht zu empfehlen).

Kosten

  • Erstberatungsgespräch: 140 Euro.
  • Folgegespräche (z.B. Befundbesprechung) innerhalb von 6 Monaten: 90 Euro
  • Verbandswechsel postoperativ in der Ordination: 90 Euro
  • Operationspreis: auf Anfrage
  • Anmerkung: Eine Operation kann auf Wunsch auch im Universitätsklinikum St. Pölten durchgeführt werden. In diesem Fall wird kein Operationshonorar verrechnet. Aus organisatorischen und rechtlichen Gründen besteht jedoch im Krankenhaus leider kein Anspruch auf eine freie Arztwahl. Dieser besteht nur bei privat durchgeführten Operationen.
  • Die Kosten für präoperativ in der Ordination durchgeführte Beratungsgespräche bzw. postoperative Verbandswechsel können Sie bei der gesetzlichen Krankenkasse zur Übernahme einreichen. Ein kleiner Teil davon wird in der Regel von der Kasse übernommen. Patienten, die zusätzlich über eine private Krankenversicherung verfügen, können gegebenenfalls den restlichen Anteil und das Operationshonorar im Falle einer privat durchgeführten Operation bei der privaten Krankenversicherung einreichen. Das entsprechende Formular zur Einreichung bekommen Sie in der Ordination im Rahmen des Beratungsgesprächs.

Preise gültig bis 31.12.2019