Können Anti-aging Kosmektikprodukte liefern, was sie versprechen?

Im Kampf gegen die Entstehung von Falten und das Altern unserer Haut hat die Kosmetikindustrie in den letzten Jahrzehnten unzählige sogenannte „Anti-aging“ oder „Anti-Falten“ Kosmetikprodukte auf den Markt gebracht. Sie werden in Form von Cremen, Seren, Salben, „Kuren“, Masken oder Lotionen angeboten. Vielfach werden geheimnisvolle Substanzen wie das Coenzym Q10, Tocopherol und natürlich die Hyaluronsäure angegeben. Das Versprechen der boomenden Schönheitsindustrie ist groß: ob Trockenheitsfältchen oder tiefe Falten, alle sollten sichtbar milder werden oder gar verschwinden. Bei regelmäßiger Anwendung soll die Haut sichtbar jünger und strahlender werden. Der Preis für solche Produkte ist hoch– ein Vielfaches von dem, was eine gewöhnliche Feuchtigkeitscreme kosten würde…

Gesichtscremen können vieles nicht

Doch gibt es tatsächlich einen Beweis dafür, dass sog. “Anti-Aging” Kosmetikprodukte liefern, was sie versprechen?

Kosmetikprodukte, auch „Cosmeceuticals“ genannt, sind keine „echten“ Arzneimittel und daher muss der Hersteller ihre Wirksamkeit nicht in unabhängigen wissenschaftlichen Studien nachweisen. Lediglich die Ungefährlichkeit dieser Produkte muss nachgewiesen werden.

Bis heute fehlt ein wissenschaftlich solider, in kontrollierten unabhängigen Studien nachgewiesener, relevanter und langfristiger Nutzen für Konsumenten.

Die Kosmetikfirmen führen nämlich in den meisten Fällen eigene Untersuchungen durch oder lassen solche von Privatinstituten machen. Oft wird dabei das Faltenbild vor und nach Anwendung des Kosmetikprodukts von einem Dermatologen anhand einer Skala beurteilt oder die Hautoberfläche wird anhand von aufwendigen technologischen Messverfahren „abgetastet“ und jede winzige Veränderung wird dabei dokumentiert. Verbesserungen bewegen sich meist in der Größenordnung von Bruchteilen von Millimetern, die mit bloßem Auge gar nicht sichtbar sind und für den Konsumenten daher auch nicht relevant sind. Häufig verweisen die Kosmetikfirmen mit dem Vermerk „Nachweis in vitro“ überhaupt nur auf Laboruntersuchungen, die jedoch nach wissenschaftlichen Kriterien nicht auf den Menschen übertragbar sind. Oder sie verweisen auf Studien, die die Wirksamkeit einzelner Substanzen belegen sollen. Dabei wird aber gern auf zwei wesentliche Punkte vergessen: erstens ist die tatsächliche Konzentration des Wirkstoffes im jeweiligen Pflegeprodukt für die Wirksamkeit maßgeblich. Zweitens kommt es darauf an, ob der Wirkstoff auch in ausreichender Konzentration aus dem Pflegeprodukt freigesetzt wird und in die Haut eindringt.

Weil es sich bei den Kosmetikprodukten nicht um „echte Arzneimittel“ handelt, müssen die Ergebnisse der Untersuchungen von Kosmetikfirmen nicht in unabhängigen wissenschaftlichen Fachzeitschriften veröffentlicht werden. Somit werden sie auch nicht an den strengen Maßstäben seriöser Wissenschaft gemessen.

Warum hat man manchmal wirklich den Eindruck, dass das Auftragen eines Kosmetikprodukts bestimmte Falten verbessert?

Kosmetikprodukte werden von der äußersten Hautschicht (Hornhaut) aufgenommen. Die Moleküle der einzelnen Wirkstoffe sind in der Regel jedoch zu groß, um tiefer in die Haut einzudringen. In der äußersten Hautschicht führen sie vorübergehend zu einem Aufquellen der Haut und bewirken dadurch, dass die Haut kurzfristig „aufgepolstert“ wirkt und ganz feine Fältchen sich scheinbar verbessern. Der Effekt ist jedoch von sehr kurzer Dauer. Nach wenigen Stunden muss die Creme neu aufgetragen werden damit derselbe Effekt wieder da ist. Eine langfristige Wirkung auf die Qualität und das Aussehen der Haut entfalten Kosmetikprodukte nicht, daher müssen sie auch mehrfach im Laufe des Tages aufgetragen werden.

Wofür sind Kosmetikprodukte eigentlich gut?

Kosmetikprodukte sind zweifelsohne für die Pflege der Haut gut. Durch die Befeuchtung der äußersten Hautschicht wird diese widerstandsfähiger, weniger rissig und kann daher ihre Barriere-Funktion gegenüber äußeren Umwelteinflüssen besser erfüllen. Besonders Frauen und Männer mit trockener Haut spüren den wohltuenden Effekt einer guten Feuchtigkeitscreme. Pflegeprodukte für die Haut können zudem das Milieu auf der Hautoberfläche günstig beeinflussen, so dass Hautkrankheiten wie Neurodermitis oder Akne sich verbessern können. Ob sie allerdings die Haut jung halten, dieser Beweis ist bis heute nicht erbracht.

Sind teure Kosmetikprodukte für die Pflege der Haut besser als günstigere Alternativen?

Nein, auch dieser Glaube beruht leider nur auf gutes Marketing der Kosmetikindustrie. Der Preis einer Creme wiederspiegelt nicht die Qualität des Produkts, sondern oft auch teures Marketing, Verpackung und Patente der Firmen. Die Qualität eines Produkts hängt von der Gesamtrezeptur ab, d.h. von den einzelnen Bestandteilen des Produkts, ihrer jeweiligen Konzentration und der Konzentration, die sie nach der Freisetzung aus der Creme tatsächlich in unserer Haut erreichen. Wirkstoffe wie Hyaluronsäure und das Coenzym Q 10 sind prinzipiell gut für unsere Haut, allerdings sind die Moleküle dieser Wirkstoffe zu groß, um in die tieferen Hautschichten zu gelangen und einen relevanten, anhaltenden Effekt dort auszulösen, wo sich der eigentliche Stoffwechsel der Haut abspielt. Diese Tatsache betrifft sowohl teure als auch günstige Pflegeprodukte. Eine einfache, gut verträgliche feuchtigkeitsspendende Creme kann daher durchaus denselben oder, je nach Rezeptur manchmal auch einen besseren Effekt erreichen als eine teure Alternative.

Fazit

Bis heute fehlt der Beweis, dass Kosmetikprodukte die Vorbeugung oder Beseitigung von Falten bewirken können. Die Verwendung von Kosmetikprodukten ist allenfalls für die Pflege der Haut sinnvoll. Gute Pflegeprodukte für die Haut müssen nicht zwangsläufig teuer sein.